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„We own the glass": Neuer Bericht wirft LG massive Datensammlung bei Smart-TVs vor

  • Andy
  • 9. September 2026 um 09:41
  • 136 Mal gelesen
  • 14 Antworten
LG steht erneut im Zentrum eines Datenschutz-Sturms. Eine neue Untersuchung von Gamers Nexus und unabhängigen Sicherheitsforschern legt nahe, dass LG-Fernseher weit mehr über ihre Besitzer erfassen, als den meisten bewusst sein dürfte – bis hin zu Mikrofonaufnahmen im Standby-Modus und der Erkennung anderer Geräte im WLAN, etwa Smartphones und Smartwatches.
Inhaltsverzeichnis [VerbergenAnzeigen]
  1. Was der Bericht behauptet
  2. „We own the glass" – die Werbebotschaft, die alles verschärft
  3. Die Technik dahinter: Automatic Content Recognition (ACR)
  4. Kein Einzelfall: LG bereits im Juli 2026 in der Kritik
  5. Reaktionen: „Extrem gruselig"
  6. Warum Fernseher überhaupt so viele Daten sammeln
  7. Was Besitzer eines LG-Fernsehers tun können

Was der Bericht behauptet

In einem 135-minütigen YouTube-Video mit dem Titel „216,000,000 Spy TVs – The LG Smart TV Problem" zeichnen Gamers Nexus und mehrere Sicherheitsforscher ein Bild, das über die bereits bekannte Kritik an smarten Fernsehern deutlich hinausgeht.

Der zentrale Vorwurf: LG-Fernseher überwachen nicht nur, was auf dem Bildschirm läuft, sondern das gesamte Zuhause – offenbar auch dann, wenn das Gerät ausgeschaltet erscheint oder gar nicht mit dem lokalen Netzwerk verbunden ist.

Zu den gesammelten Datenpunkten sollen laut Bericht gehören:

  • Sprachaufnahmen, teilweise auch im Standby-Betrieb
  • Details zu anderen Geräten im Haushalt, einschließlich Smartphones und Wearables
  • Geografischer Standort
  • Informationen zu in der Nähe befindlichen WLAN-Netzwerken

Hochgerechnet auf die geschätzte Zahl aktiver LG-Fernseher in den USA kommen die Autoren auf die plakative Zahl von 216 Millionen „Spionage-Fernsehern", die Daten über Millionen weiterer Geräte sammeln.

„We own the glass" – die Werbebotschaft, die alles verschärft

Besonders brisant macht die Geschichte, dass sie sich nicht nur auf technische Analysen stützt, sondern auf O-Töne von LG selbst. Im Video sind gleich drei LG-Führungskräfte zu hören, die gegenüber (potenziellen) Werbekunden Sätze wie „We own the glass" oder „we own the TV" verwenden. Ein LG-Werbepitch soll wörtlich formulieren:

Zitat

„We know who's in the LG household. We know which devices are there. We know what you're exposed to on TV and we know how to extend that reach into mobile."

Damit positioniert sich LG gegenüber der Werbeindustrie explizit als Anbieter, der nicht nur das Fernsehverhalten kennt, sondern die Kampagnenreichweite gezielt auf andere Geräte im Haushalt ausdehnen kann – etwa das Smartphone der Bewohner.

Die Technik dahinter: Automatic Content Recognition (ACR)

Technische Grundlage vieler dieser Funktionen ist ACR – Automatic Content Recognition. Das Verfahren analysiert kontinuierlich, was auf dem Bildschirm zu sehen ist, unabhängig davon, über welche App oder welchen Streaming-Dienst der Inhalt läuft. Die daraus gewonnenen Daten fließen laut Bericht in Profile ein, die für personalisierte Werbung genutzt werden. ACR selbst ist in der Smart-TV-Branche längst Standard und nicht LG-exklusiv – neu ist laut Gamers Nexus aber vor allem das Ausmaß, in dem LG diese Daten mit Informationen über andere Haushaltsgeräte verknüpft und vermarktet.

Kein Einzelfall: LG bereits im Juli 2026 in der Kritik

Der aktuelle Bericht ist nicht die erste Datenschutzkontroverse rund um LG in diesem Jahr. Bereits im Juli 2026 hatte Gamers Nexus aufgedeckt, dass LG-Gaming-Monitore unter Windows offenbar ohne klare Zustimmung zusätzliche Software installierten – darunter den „LG Monitor App Installer" mit weitreichenden Systemrechten sowie McAfee Scam Detector, das in der Vergangenheit häufig als unerwünschte Bloatware kritisiert wurde.

Parallel dazu sorgte eine neue Klausel in LGs Nutzungsbedingungen für Aufsehen: Abschnitt 6(d), „Voice Recognition and Privacy Compliance", verpflichtet Nutzer, Gäste und Familienmitglieder aktiv darüber zu informieren, dass ihre Stimmen vom Gerät erfasst und verarbeitet werden könnten – inklusive des Hinweises, dass dies zur Einhaltung von Abhör- und Datenschutzgesetzen erforderlich sei. Wer dem nicht zustimmt, muss laut den Bedingungen sämtliche mikrofon- und sprachbezogenen Funktionen am Fernseher deaktivieren.

LG reagierte damals mit einem Statement gegenüber TechRadar und bestritt, dass Umgebungsgespräche aufgezeichnet oder gespeichert würden. Auch zur automatischen Installation von McAfee erklärte das Unternehmen, dies geschehe ausschließlich mit ausdrücklicher Nutzerzustimmung über den offiziellen Windows-Verteilungsprozess von Microsoft.

Reaktionen: „Extrem gruselig"

Die Online-Reaktionen auf den neuen Bericht fallen entsprechend deutlich aus. Auf Reddit häufen sich Kommentare wie „Jedes Gerät in meinem Haus ist von LG… ich werde nie wieder ein LG-Produkt kaufen" oder „Wenn ich ein Produkt kaufe, gehört es mir – die 'besitzen' nicht den Bildschirm oder sonst irgendwas mehr." Ein weiterer Nutzer bringt die Stimmung knapp auf den Punkt: „Es ist extrem gruselig."

Gamers Nexus selbst weist am Ende des Videos darauf hin, dass vergleichbares Verhalten wahrscheinlich auch bei anderen TV-Herstellern zu finden sei – LG stehe hier stellvertretend für ein branchenweites Problem. Sinngemäß formulieren sie: Wer Überwachungskameras im eigenen Wohnzimmer haben wolle, bekomme mit dieser Art von Smart-TV-Datensammlung genau das.

Warum Fernseher überhaupt so viele Daten sammeln

Der Hintergrund ist letztlich ökonomischer Natur. Die Gewinnmargen bei TV-Hardware sind traditionell sehr gering, weshalb Hersteller zunehmend auf Werbe- und Datengeschäfte als zusätzliche Einnahmequelle setzen. Kritisch wird dies dort, wo entsprechende Änderungen an der Datennutzung in aktualisierten AGB oder Datenschutzrichtlinien versteckt werden, die kaum jemand liest, statt aktiv und transparent eingeholt zu werden.

TechRadar hat LG um eine Stellungnahme zu den neuen Vorwürfen gebeten; eine Antwort des Unternehmens steht zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch aus.

Was Besitzer eines LG-Fernsehers tun können

Auch ohne offizielle Stellungnahme lassen sich einige grundsätzliche Schritte empfehlen, um die Datensammlung zumindest einzuschränken:

  • ACR-Funktion in den TV-Einstellungen deaktivieren (oft unter „Nutzungsdaten" oder „Live-Plus"/„AI-Empfehlungen" zu finden)
  • Sprachassistenz und Mikrofon-Funktionen abschalten, sofern nicht benötigt
  • Den Fernseher wo möglich vom Internet trennen bzw. nur über einen separaten, isolierten Netzwerkbereich betreiben
  • Regelmäßig die Datenschutzeinstellungen und AGB-Updates prüfen, da sich Berechtigungen mit Firmware-Updates ändern können


Quellen:
  • TechRadar
    https://www.techradar.com/televisions/lg…hile-on-standby
  • YouTube GamersNexus
    https://www.youtube.com/watch?v=6IFVTcM28KA
    https://www.youtube.com/watch?v=Q9uefFYe6bM
  • heise
    https://www.heise.de/news/LG-Monito…n-11369530.html
  • GadgetHacks
    https://windows.gadgethacks.com/news/lg-monito…how-to-stop-it/

Titel- und Artikelbilder mit Hilfe von KI erstellt.

Diskutiere mit uns im Forum! 14 Antworten, zuletzt: 14. September 2026 um 11:29

Über den Autor

Ich habe generation i mit ins Leben gerufen, um Technik mit Verstand zu begleiten.

Apple-Fan? Definitiv. Aber immer mit dem kritischen Blick eines Gründers, dem Substanz wichtiger ist als jeder Hype.
Ich sorge für den richtigen Rhythmus zwischen Innovation und echtem Nutzen.

Andy Team

Vorheriger Artikel Morgen gilt’s: Warum Apple mehr als nur neue Megapixel liefern muss

Antworten 14

DucatistiPS
9. September 2026 um 11:02

Da sollten die Blocklisten greifen, wer LG TV hat, bitte schön:

http://lgsmartad.com/
http://alphonso.tv
http://gtvsdp.com
http://tracking.lgtvsdp.com
http://recommend.lgtvcommon.com
http://cdpsvc.lgtvcommon.com
http://cdpbeacon.lgtvcommon.com
djiwondee
9. September 2026 um 17:00

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Würde ich mal so bestätigen. pi-hole hält die draußen. Habe einen LG-TV und habe bisher noch keine Einschränkungen bemerkt. Allerdings nutze ich diese LG-Channels/features im TV gar nicht. Geht immer gleich ins Live TV oder eben in AppleTV

access
9. September 2026 um 18:30

Und was ist daran schlimm das LG weiß was ich schaue? Amazon, Apple, HBO, WOW, waipu, ARD und ZDF App, die Inhalte gehen von Bares für Rates über Law & Order bis Silo. Die Glotze hat kein Mikrofon, die ist in der Fernbedienung die ich nicht nutze, weil ich die Bedienung nicht mag.. Ich habe eine ohne Mikrofon von einem alten LG.

Ist wie bei Payback, ich sammle Punkte, die wissen was ich kaufe und was passiert? Nichts. Die Coupons die für Produkte die ich nicht kaufe, ändern mein Kaufverhalten nicht.

Ich bin so uninteressant, dass weder die Regierung noch mein Arbeitgeber wissen wollen was ich konsumiere.

Aber danke für die Blockliste, die werde ich bei Gelegenheit einbauen.

Dan
9. September 2026 um 19:00

Ob dich das persönlich stört, ist natürlich deine Sache. Aber genau darum, dass LG weiß, ob du Silo oder Bares für Rares schaust, geht es in dem Bericht nur zu einem kleinen Teil.

Interessant wird es bei der Verknüpfung. LG wirbt gegenüber Werbekunden selbst damit, zu wissen, welche Geräte sich im Haushalt befinden, welchen Inhalten man am TV ausgesetzt ist und diese Reichweite auf Mobilgeräte ausdehnen zu können. Dazu kommen die in der Untersuchung gefundenen Netzwerkscans und ACR.

Wenn dein TV selbst kein Mikrofon hat, betrifft dich der Punkt mit den Sprachaufnahmen natürlich nicht. Die anderen Punkte verschwinden dadurch aber nicht.

Und genau deshalb finde ich die Payback Analogie nicht ganz passend. Bei Payback halte ich aktiv meine Karte hin und entscheide damit bei jedem Einkauf selbst, ob ich die Daten übermitteln möchte. Mein Fernseher hängt dagegen permanent in meinem privaten Heimnetz. Das ist für mich schon eine andere Qualität.

Andy
10. September 2026 um 02:07

Es geht nicht darum, dass der TV-Hersteller weiß, was ich mir ansehe - das ist mir eigentlich egal… Ehrlich gesagt, hat mich schockiert, als ich gesehen habe, dass die Geräte aufzeichnen, was im Raum gesprochen wird… Selbst ohne Netzwerk-Verbindung…

Und das LG dann schreibt, man sollte seinen Gästen und der Familie das bitte mitteilen… Und sie dann aus dem Schneider sind, weil sie das ja ausführlich in den Nutzungsbedingungen geschrieben haben, die die Nutzer akzeptiert haben (und die wahrscheinlich so gut wie niemand gelesen hat…).

DucatistiPS
11. September 2026 um 00:29
Zitat von DucatistiPS

Da sollten die Blocklisten greifen, wer LG TV hat, bitte schön:

http://lgsmartad.com/
http://alphonso.tv
http://gtvsdp.com
http://tracking.lgtvsdp.com
http://recommend.lgtvcommon.com
http://cdpsvc.lgtvcommon.com
http://cdpbeacon.lgtvcommon.com

die noch dazu:

eic-ngfts.lge.com


Das ist schon übers Limit, was die dem Kunden zumuten, und das sollte sich dann irgendwann in den Verkaufszahlen widerspiegeln .

DucatistiPS
13. September 2026 um 09:17

Dazu:

DE.info.lgsmartad.com

Mure77
13. September 2026 um 17:16
Zitat von Dan

Ob dich das persönlich stört, ist natürlich deine Sache. Aber genau darum, dass LG weiß, ob du Silo oder Bares für Rares schaust, geht es in dem Bericht nur zu einem kleinen Teil.

Interessant wird es bei der Verknüpfung. LG wirbt gegenüber Werbekunden selbst damit, zu wissen, welche Geräte sich im Haushalt befinden, welchen Inhalten man am TV ausgesetzt ist und diese Reichweite auf Mobilgeräte ausdehnen zu können. Dazu kommen die in der Untersuchung gefundenen Netzwerkscans und ACR.

Wenn dein TV selbst kein Mikrofon hat, betrifft dich der Punkt mit den Sprachaufnahmen natürlich nicht. Die anderen Punkte verschwinden dadurch aber nicht.

Und genau deshalb finde ich die Payback Analogie nicht ganz passend. Bei Payback halte ich aktiv meine Karte hin und entscheide damit bei jedem Einkauf selbst, ob ich die Daten übermitteln möchte. Mein Fernseher hängt dagegen permanent in meinem privaten Heimnetz. Das ist für mich schon eine andere Qualität.

Was also mit einem popeligen Fernseher alles möglich ist, lässt sich nicht an den smarten Geräten zweifeln, die wir den ganzen Tag mit uns rum tragen?

Dan
13. September 2026 um 18:08
Zitat von Mure77

Was also mit einem popeligen Fernseher alles möglich ist, lässt sich nicht an den smarten Geräten zweifeln, die wir den ganzen Tag mit uns rum tragen?

Natürlich lässt sich das auch bei Smartphones nicht grundsätzlich ausschließen. Genau deshalb spielt für mich eine Rolle, wem ich solche Geräte anvertraue und welches Geschäftsmodell dahintersteht.

Bei Apple ist Datenschutz seit Jahren ein wesentlicher Bestandteil der Produktarchitektur und des Geschäftsmodells. Apple verdient sein Geld in erster Linie mit Hardware und Diensten und nicht damit, möglichst detaillierte Nutzerprofile für ein werbefinanziertes Kerngeschäft aufzubauen. Vieles wird bewusst lokal auf dem Gerät verarbeitet, Apps werden stark voneinander abgeschottet und Tracking über Apps hinweg muss ausdrücklich erlaubt werden.

Bei Google sieht die Interessenlage strukturell anders aus. Ein erheblicher Teil des Geschäfts basiert auf Werbung. Dafür sind möglichst genaue Informationen über Interessen und Verhalten wirtschaftlich wertvoll. Das bedeutet nicht, dass Google einfach persönliche Datenpakete verkauft. Aber Datenerfassung und die Nutzung dieser Informationen für personalisierte Werbung gehören zum Geschäftsmodell.

Dazu kommt ein Punkt, der mir bei Apple durchaus Vertrauen gibt. Apple Produkte und Betriebssysteme werden weltweit von Sicherheitsforschern, Hackern, Journalisten, Behörden und natürlich auch Konkurrenten auseinandergenommen. Ein belastbarer Nachweis, dass Apple entgegen seiner öffentlichen Aussagen heimlich systematisch Nutzerdaten für Werbeprofile abschöpft, wäre eine enorme Geschichte. Nach so vielen Jahren und Milliarden Geräten wäre es ziemlich schwierig, eine solche Praxis dauerhaft zu verbergen.

Hundertprozentiges Vertrauen habe ich trotzdem in kein Unternehmen. Ich bewerte Risiken. Und dabei spielt für mich auch der Hersteller und dessen Rechtsraum eine Rolle. Gerade bei chinesischen Herstellern gab es in der Vergangenheit wiederholt erhebliche Sicherheitsvorwürfe und tatsächlich dokumentierte Fälle von vorinstallierter Malware oder problematischen Komponenten bis hinunter auf Firmwareebene oder Codeebene in Chips

Deshalb vertraue ich Apple in dieser Hinsicht deutlich mehr. Nicht weil ich glaube, dass Apple heilig ist, sondern weil Geschäftsmodell, technische Architektur, öffentliche Kontrolle und der regulatorische Rahmen für mich das geringere Risiko ergeben.

Mure77
13. September 2026 um 18:31

…

https://www.heise.de/news/Salto-rue…cebook#Echobox=1789213161

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