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Zwischen den Threads KW19: #OMR26 jenseits der Podeste – Eine Suche nach dem digitalen Fundament.

  • Holger
  • 10. Mai 2026 um 08:15
  • 96 Mal gelesen
  • 0 Antworten
Heute geht es mal nicht um unser Forum. Ich war für uns zwei Tage bei Europas größter Digitalmesse, der OMR 2026 hier in Hamburg.

Ihr wisst ja, die großen Bühnen, das bunte Spektakel und die Marketing-Trommeln lasse ich Normalerweise links liegen. Das ist mir oft zu laut, zu sehr Pose. Wenn Menschen auf Podesten stehen und Begriffe wie „Disruption“ rufen, suche ich meistens den Ausgang. Ich habe mich trotzdem -oder erst recht!- in die Hallen begeben, in denen es um das geht, was unter der Oberfläche passiert. Um die Architektur, das Skelett unseres digitalen Alltags. Um das, was uns hier bei uns wirklich umtreibt.

Man steht da mit einem Pappbecher in der Hand, der Kaffee ist passabel, aber die Schuhe sind vom Vortag noch ein wenig klamm. Man schaut zu, wie die Tropfen auf den Asphalt zwischen den Messehallen klatschen.

Es ist Mittwoch in Hamburg. Der Dienstag hatte uns noch mit Sonne verwöhnt, fast so, als wollte er uns einlullen und glauben lassen, die digitale Zukunft sei ein heller, wolkenloser Ort, an dem alles per Klick glänzt. Aber der Regen am Mittwoch passt eigentlich besser. Er ist ehrlich. Er macht die Dinge ein bisschen langsamer, ein bisschen grauer, aber eben auch ein bisschen deutlicher.

Es war anstrengend, keine Frage. Aber wenn man das „Blabla“ beiseite schiebt, schimmern da ein paar Gedanken durch, die wir uns mal in Ruhe anschauen sollten.

Da ist zum Beispiel diese Sache mit der „Agentic AI“. Wieder so ein Begriff, der klingt, als hätte ihn jemand im Labor gezüchtet. Aber dahinter steckt eine Beobachtung, die uns alle betrifft: Die Maschinen wollen nicht mehr nur mit uns plaudern oder uns höflich auf Fragen antworten. Sie wollen handeln. Nick Turley von OpenAI hat das so nebenbei erwähnt: Die KI wird zur Ausführungsebene. Sie klickt für uns, sie bucht für uns, sie entscheidet vielleicht sogar ein bisschen für uns.

Für uns bedeutet das vor allem eines: Die Frage nach der Souveränität stellt sich neu. Wenn die Technik vom Werkzeug zum Akteur wird, wer hält dann eigentlich noch die Zügel? Karsten Wildberger hat das auf den Punkt gebracht: Es geht um Freiheit durch Wahlmöglichkeit. Wir müssen aufpassen, dass wir vor lauter Begeisterung über die Bequemlichkeit nicht verlernen, wie man die Systeme selbst steuert. Sonst sitzen wir irgendwann in einem glänzenden Zug, dessen Ziel wir nicht mehr bestimmen können.

Zwischendurch gab es draußen an den Ständen Essen an der frischen Luft. Man steht da zwischen den Hallen, beugt sich über seinen Teller und beobachtet die Menschenströme. Es hat etwas Beruhigendes, dass trotz aller Algorithmen am Ende doch der Hunger und das Bedürfnis nach einem echten Gespräch bleiben.

Vielleicht ist das der Grund, warum Laura Nestler von Reddit so einen Nerv getroffen hat. Sie sagte etwas, das mir aus der Seele sprach: Eine Gemeinschaft ist kein „Kanal“, in den man einfach Inhalte schüttet wie Futter in einen Trog. Es geht um Vertrauen. Und dieses Vertrauen wird gerade zur wichtigsten Währung, während das restliche Internet mit KI-generierten Antworten geflutet wird. Wenn alles künstlich wird, suchen wir doch instinktiv nach Orten, an denen echte Stimmen zu hören sind. Orte, an denen man sich auch mal widersprechen darf, ohne dass ein Bot die Antwort glattbügelt.

Dabei ist natürlich Vorsicht geboten. Meredith Whittaker von Signal hat uns daran erinnert, dass die ganze technologische Pracht oft auf einem Fundament aus Datenausbeutung und zentralisierter Macht steht. Ein unbequemer Gedanke, wenn man gerade fasziniert von den neuen Möglichkeiten ist. Aber einer, den wir uns hier bei uns leisten müssen. Wir sind skeptisch genug, um zu wissen, dass „kostenlos“ meistens bedeutet, dass wir selbst das Produkt sind. Ihr Auftritt war einer von denen, die bei mir am meisten Eindruck hinterlassen haben. Was für eine starke Frau! Nein: Was für ein starker Mensch! Allein ihr Engagement beim „Google walkout“ hatte schon vorab meinen höchsten Respekt. Seit ihrem Vortrag hat sich meine (zugegebenermaßen bisher oberflächliche) Meinung zu „Signal“ komplett geändert. Egal, wie unbequem die Stühle waren: Ich hätte ihr noch stundenlang zuhören können.

Was nehme ich sonst noch mit in unsere Runde? Vielleicht den Gedanken von Philipp Klöckner, dass wir mal kurz innehalten sollten zwischen den schillernden Demos und der spröden Wirklichkeit. „Prompts sind Stützräder“, heißt es jetzt. Was wirklich zählt, sind die Prozesse dahinter. Es geht nicht darum, wie man eine Maschine füttert, sondern wie wir unsere Arbeit und unser Miteinander so organisieren, dass wir nicht zu Sklaven unserer eigenen Effizienz werden.

Es geht nicht darum, jeden Trend mitzumachen, nur weil er gerade lautstark durch die Hallen getrieben wird. Es geht darum, zu sehen, wo die Technik uns wirklich hilft, ein Stück freier zu sein, und wo sie uns nur schneller im Hamsterrad drehen lässt.

Ich sitze wieder am Schreibtisch. Die Beine tragen noch die Kilometer in sich, der Kopf noch das Gewühl der zwei Tage. Aber der Blick? Der ist ruhiger geworden. Es ist gut, wieder hier zu sein. In einem Raum, in dem wir die Dinge so benennen können, wie sie sind, ohne das übliche Getöse. Der Hamburger Regen ist längst getrocknet, aber die Fragen, die er aufgeworfen hat, bleiben.

Schön, dass wir uns hier haben, um darüber zu reden. Einfach nur von Mensch zu Mensch. Was meinst du dazu? Hast du das Gefühl, wir behalten die Zügel noch in der Hand, oder delegieren wir gerade mehr weg, als uns eigentlich lieb ist?

Übrigens: Von den diversen iPhones, iPads und MacBooks mal abgesehen, war das einzig sichtbare Apple-Logo das auf meiner Brust. Apple bleibt der OMR traditionell fern. So auch dieses Jahr. Anthropic und OpenAI waren präsent. Just sayin‘… 😉

Ich wünsche dir einen schönen Sonntag und:

Bleib neugierig! Wir lesen uns drüben in den Threads!



All photos and synthography by me

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PS: Was wäre ein thematisch „KI-lastiger“ Artikel ohne ein bisschen OMR inspirierte „KI-Spielerei“? Hier gibt‘s was zum reinhören zu diesem Artikel. Probier‘s mal aus!

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Über den Autor

Holger ist seit Ende des letzten Jahrtausends in der IT-Branche tätig. Er bezeichnet sich selbst als:
Apple-Enthusiast.
Hobbykoch.
Nordlicht.

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