Ehrlicherweise kommen mir die deutschen Autobauer aktuell viel zu schlecht weg – besonders in unseren eigenen Medien. International wird das oft ganz anders wahrgenommen.
In den klassischen Disziplinen wie Fahrwerk, Effizienz und Fahrverhalten reicht den Deutschen nach wie vor niemand das Wasser. Selbst bei den Assistenzsystemen laufen sie oft zuverlässiger als die asiatische Konkurrenz. Beim autonomen Fahren waren sie auf dem Weg zur Zulassung weltweit führend - warum man sich hierzulande gerade zurückzieht, bleibt mir ein Rätsel. Zu aufwendig, zu viel Geld ausgeschüttet statt in die Entwicklung gesteckt?
Wobei man fairerweise sagen muss: Weder Teslas haltbares FSD noch die Systeme von Xpeng haben aktuell eine Zulassung in Deutschland. Zudem bleibt die Frage, wie kaufentscheidend das Thema für die Masse überhaupt schon ist.
Die echte Achillesferse ist und bleibt die Software: Wie die Chefetagen in München, Stuttgart und Wolfsburg dieses Thema über ein Jahrzehnt so dermaßen verkacken konnten obwohl jeder Blindfisch sah, wohin die Reise geht, ist mir unbegreiflich. Ob sie die internationale Erwartungshaltung bei Updates inzwischen kapiert haben? Fragezeichen.
Bei den gehypeten Chinesen muss man aber auch mal kurz den Realitycheck ansetzen: BYD und Xpeng sind zwar schon „too big to fail“, müssen aber langfristige Update-Zyklen erst unter Beweis stellen. Bei den extrem kurzen Produktzyklen weiß heute niemand, wie lange ein Xpeng G9 wirklich unterstützt wird. Und Nio? Stand heute sind die in meinen Augen in Europa gescheitert und in China massiv unter Druck (fast 3 Milliarden Dollar Verlust bei unter 8 Milliarden Dollar Umsatz im letzten Jahr, unter 20 Neuzulassungen in H1/26 in Deutschland! und nein, da fehlt keine Null) .
Das soll trotzdem nicht darüber hinweg täuschen, dass die Zukunft wird verdammt hart wird. Für die Deutschen hilft nur noch die Flucht nach vorne, denn ihre Absatzmärkte brechen weg. In China gilt knallhart „Buy Chinese“ und „China first“ – da können sich unsere Hersteller auf den Kopf stellen, da wird nicht mehr viel zu holen sein. Und auch die USA werden künftig kein einfaches Pflaster mehr.
Die Gretchenfrage ist am Ende: Reichen die klassischen KFZ-Tugenden überhaupt noch aus, wenn das Auto der Zukunft vor allem über Software definiert wird? Welche Märkte wollen die Deutschen besetzen, was können sie besser als alle anderen und wie wollen sie das verteidigen und weiterentwickeln?
Und nebenbei, solange sich die Chefetagen weiterhin nur Gedanken um die Marge machen um die unstillbare Gier der Piechs, Porsches, Quandts und Klattens stillen zu können, solange man Katar in Führungsgremien hocken hat und nicht endlich begreift, dass es gerade vor allem um Marktanteile und Technologieführerschaft geht.... wird das nichts.
PS: Tesla käme uns nicht ins Haus. Das Model Y wäre ein durchaus hochinteressantes Auto ... aber nein, kein Cent für Musk.