Die Beurteilung Cooks hängt mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ab, wann man zu Apple gestoßen ist und mit welcher Apple Kultur man "groß wurde".
Meine ersten Apple Berührungen hatte ich Anfang der 2000er (Einstieg iPod, irgendwann iMac, MacBook, ... iPhone 2G, usw.). Eine Zeit, in der Apple tönte, man setze auf Industriestandards und Offenheit. Man sich klar gegen proprietäre, geschlossene Schnittstellen und Dateiformate positionierte und ein in sich stimmiges aber trotzdem offenes Ökosystem pflegte, sozusagen jeden einlud und auch darauf achtete, Interoperabilität mit jeder anderen Plattform sicherzustellen.
Auch standen bis zum Ende der Jobs Ära nie die Gewinnmargen im Vordergrund sondern der Impact auf die User. Auch unter Jobs war Margin und Profit wichtig. Aber nicht der alleinige Handlungsantrieb. Preise gingen bei steigender Leistung lange eher runter als rauf. Genau das aber wurde mit Cooks zunehmendem Einfluss immer wilder und immer stärker auf noch den letzten halben Cent an Profit konzentriert.
(Ich bin mir auch relativ sicher, dass die die "alte" Führungsriege damals ein Produkt wie die Vision Pro niemals durchgewunken hätte. Schon gar nicht zu diesem absurden Preis. Schon allein weil man sich die Blöße des Scheiterns mit Ansage nicht geben wollte. Frage mich bis heute, was Apple wirklich dachte, das passiert, wenn sie eine Techdemo ohne jeden Usecase für 5000 Euro auf den Markt bringen ...)
Wer so sozialisiert wurde, sieht Cooks Führung und Führungsriege deutlich kritischer als jemand, der sozusagen bereits in "Tims Apple" einstieg.