US-Regierung erzwingt Exportstopp: Anthropic schaltet Claude Fable 5 und Mythos 5 abrupt ab
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Andy -
13. Juni 2026 um 20:24 -
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Ein rasanter Start mit abruptem Ende
Erst Anfang dieser Woche hatte das KI-Start-Up Anthropic seine neuesten technologischen Flaggschiffe vorgestellt: Claude Mythos 5 und Claude Fable 5. Beide Modelle basieren auf der hochentwickelten Forschungs-KI „Claude Mythos Preview“, die speziell für die Identifizierung von Sicherheitslücken und Softwarefehlern konzipiert wurde. Während der Zugang zu Mythos im Rahmen des internen „Project Glasswing“ streng limitiert blieb, sollte Fable 5 der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stehen – ausgestattet mit umfassenden Sicherheitsfiltern.
Die Leistungsfähigkeit der Modelle im Cybersicherheitsbereich war enorm. Partner des Projekts berichteten von spektakulären Erfolgen. So vermeldete die Mozilla Foundation, dass sie mithilfe der Vorabversion innerhalb kürzester Zeit hunderte Schwachstellen in ihren Systemen aufspüren und beheben konnte. Doch genau diese Fähigkeit, tief in Softwaresysteme einzudringen, wurde den Modellen nun zum Verhängnis.
Die Intervention des Handelsministeriums
Der US-Handelsminister Howard Lutnick setzte dem globalen Rollout am Freitagabend ein abruptes Ende. In einem direkt an den Anthropic-CEO Dario Amodei gerichteten Schreiben ordnete das Ministerium an, dass Mythos 5 and Fable 5 ab sofort strengen Exportkontrollen unterliegen. Die Verfügung untersagt den Zugriff auf diese Modelle für alle Personen außerhalb der USA sowie für alle ausländischen Staatsbürger innerhalb des Landes.
Anthropic erklärte dazu in einer offiziellen Stellungnahme:
Zitat„Die US-Regierung hat unter Berufung auf nationale Sicherheitsbefugnisse eine Exportkontrollrichtlinie erlassen, um jeglichen Zugriff auf Fable 5 und Mythos 5 durch ausländische Staatsangehörige – sowohl innerhalb als auch außerhalb der Vereinigten Staaten, einschließlich ausländischer Anthropic-Mitarbeiter – zu sperren. Der Nettoeffekt dieser Anordnung ist, dass wir Fable 5 und Mythos 5 für alle unsere Kunden abrupt deaktivieren müssen, um die Einhaltung der Vorschriften zu gewährleisten. Der Zugriff auf alle anderen Anthropic-Modelle ist nicht betroffen.“
Berichten von Axios zufolge hatte die Trump-Administration bereits im Vorfeld versucht, die Veröffentlichung der Modelle zu blockieren, scheiterte jedoch zunächst. Der finale Auslöser für das jetzige, radikale Durchgreifen war offenbar die Warnung eines Konkurrenzunternehmens. Dieses hatte gegenüber der Regierung demonstriert, dass es gelungen sei, die Sicherheitsbarrieren (Guardrails) von Mythos zu umgehen – ein sogenannter Jailbreak. Angesichts potenzieller Risiken für die nationale Sicherheit zog das Handelsministerium die Reißleine.
Anthropic kritisiert „Missverständnis“ der Behörden
Anthropic fügte sich der Anordnung unverzüglich, sparte in einer Stellungnahme jedoch nicht mit deutlicher Kritik an der Regierungsentscheidung. Das Unternehmen betonte, dass der Vorwurf auf einem fundamentalen Missverständnis beruhe. Der demonstrierte Jailbreak sei extrem spezifisch, keineswegs universell anwendbar und habe lediglich dazu gedient, eine Handvoll bereits bekannter, minimaler Schwachstellen aufzudecken.
Zudem wies das Entwicklerstudio darauf hin, dass diese einfachen Sicherheitslücken auch von anderen, frei zugänglichen Modellen auf dem Markt ohne jegliche Modifikation gefunden werden könnten – explizit genannt wurde hierbei OpenAIs GPT-5.5. Anthropic bedauerte die massiven Unannehmlichkeiten für seine Kunden und kündigte an, eng mit den Behörden zusammenzuarbeiten, um das Missverständnis aufzuklären und den Zugang so schnell wie möglich wiederherzustellen.
Die konkreten Auswirkungen für Entwickler und Nutzer:
- Claude-Produkte (Web & App): Neue Chats wechseln automatisch auf das jeweilige Standardmodell oder Opus 4.8. Laufende Sitzungen mit Fable 5 brechen mit einer Fehlermeldung ab.
- Claude-API (Platform): Alle Anfragen an das Fable 5-Modell werden abgewiesen und geben einen Fehlercode zurück. Entwickler müssen ihre Integrationen dringend auf andere Modelle umstellen.
- Andere Modelle unbetroffen: Der Zugriff auf Modelle wie Claude Opus, Sonnet oder Haiku bleibt von der Anordnung unberührt.
Fazit
Der Vorfall markiert einen Wendepunkt in der staatlichen Regulierung von künstlicher Intelligenz. Erstmals greift die US-Regierung mittels Exportkontrollen derart direkt in den laufenden Betrieb kommerzieller KI-Modelle ein. Dies verdeutlicht das wachsende Misstrauen der Politik gegenüber der rasanten Entwicklung von Dual-Use-Technologien, die sowohl defensiv als auch offensiv im Cyberraum eingesetzt werden können.
Jetzt holt Anthropic das ein, was Dario Amodei noch kürzlich selbst gefordert hatte: Die Regierung müsse potenziell gefährliche LLM sperren.
Quellen:
Artikelbild mit Hilfe von KI erstellt.
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